Gestern startete die Vortragsreihe E-Learning im e-learning-center. Martin Leidl und Antje Müller stellten die Ergebnisse des ZweitesLeben-Seminars aus dem letzten Semester vor. Eine gute Gelegenheit die Gedanken zum ZweitenLeben zu ordnen und ein kleines Resümee zu ziehen.
Ohio University Der Ansatz sich mit dem ZweitenLeben zu beschäftigen lag in der Frage, worin dessen Mehrwert für Bildungsprozesse liegt und wie man diesen optimal nutzen kann. Die anfangs leise Ahnung hat sich mittlerweile größtenteils in Gewissheit gewandelt. Kurz gesagt: Der Mehrwert des ZweitenLebens bei Bildungsprozessen ist überschaubar. Es gibt keine didaktisch bahnbrechenden Neuerschaffungen oder Neukombinationen. Viele Angebote beschränken sich auf das Replizieren realer Szenarien, die dadurch aber nicht zwangsläufig einen Mehrwert erhalten.

Die Stärken des ZL liegen in der synchronen Kommunikation (also Kommunikation ohne merklichen Zeitversatz). Es ist eben doch etwas anderes, ob man in einem Chatfenster ein Semikolon gefolgt von einem Minuszeichen und einer geschlossenen Klammer eingibt oder das dreidimensionale Gegenüber per Gestenfunktion mit dem rechten Auge zwinkert, auch wenn beides technisch vermittelt ist. Durch die neu hinzugekommene VoIP-Funktion wird dieser Vorteil noch weiter ausgebaut.

Eine weitere Stärke besteht in der Möglichkeit Visualisierungen zu erschaffen, zu bearbeiten und daran kollaborativ zu arbeiten, beispielsweise indem man mit seinem Avatar auf Objekte deutet. Wenn ich aber einen Wikiauszug nur dadurch “inworld” bekomme, dass ich einen Screenshot als Textur auf ein Objekt lege, wird mir schwindelig vom Kopfschütteln. An diese Stelle schließt sich auch eine zentrale Erkenntnis unserer Dozenten an:

Wenn ZL überhaupt Mehrwert produziert, dann nur durch die Kombination mit bereits bestehenden Web 2.0-Konzepten. Diese Integration ist zwar an verschiedenen Stellen möglich, sei es durch das Inworld-Lesen von RSS-Feeds oder durch das Inworld-Bloggen, doch ist das ganze nur eingeschränkt und umständlich möglich. So haben wir auch im Seminar das Gegenstück der synchronen, die asynchronen Kommunikation größtenteils außerhalb des ZL durchgeführt.

Martin erwähnte während des gestrigen Vortrags die theoretische Persistenz von ZL, also dessen Dauerhaftigkeit. Diesem lässt sich sehr gut die praktische Reliabilität gegenüberstellen, die sich gerne mal in längeren Offlinezeiten äußerte (vgl. Aus allen Nähten platzend). Während der Präsentation gestern gewährte ZL auch keinen Einlass.

Croquet SpreadsheetGerne vergessen werden die kommerziellen Interessen des Anbieters LindenLab, die durch die hohen Serverkosten nicht ganz ungerechtfertigt sind. Einen anderen Ansatz stellt hierbei das OpenSource-Projekt Croquet dar, das durch seine P2P-Technologie die Netzwerklast dezentral schultert, allerdings laut Martin noch nicht wirklich benutzbar ist. Croquet verspricht eine bessere Integration der Web 2.0-Elemente und könnte daher eine vielversprechende Alternative zu ZL werden. Einen Eindruck kann man bei youTube gewinnen (bezeichnend allerdings der Kommentar von danielfoxtutorials: “This looks all very cool until you actually try to use it.

Technisch vermittelte Prozesse laufen stets Gefahr, das Digital Divide voranzutreiben, sei es durch fehlenden oder nur eingeschränkten Zugang zum Internet oder durch fehlende bzw. veraltete Technik. Die hohen Systemanforderungen des ZL verschärfen dieses Problem noch. Die noch einigermaßen aktuellen Laptops der CSW genügten den Anforderungen nicht, ein 100$-Laptop wird da keine Ausnahme machen.